Erste Eindrücke...

Entschuldigung erstmal, dass ich erst jetzt von mir hören lasse. Das lag daran, dass ich entweder unterwegs war oder in Kassambya, Missenyi, unserer Einsatzstelle, wo es nun doch keinen Internetempfang gibt. Deshalb hat es sich bisher als etwas schwierig herausgestellt, mich zu melden.

Zwischenlandung in Dubai
Zwischenlandung in Dubai
Kons und ich auf dem Hoteldach in Dar es Salaam
Kons und ich auf dem Hoteldach in Dar es Salaam

Ich muss zugeben noch immer fühlt sich alles ein wenig unecht an, ich kann noch immer nicht begreifen, dass ich nun tatsächlich für ein Jahr gemeinsam mit Konstantin im wunderschönen Tansania zu Hause bin. Das mag womöglich aber auch daran liegen, dass wir noch immer keine richtige Unterkunft haben, weil es Probleme mit unserem Haus gab, bzw. weil der Besitzer dieses einfach anderen Besuchern zur Verfügung gestellt hat, obwohl es ja eigentlich uns zugesichert wurde.

Dennoch ist alles sehr aufregend, interessant, neu und einfach anders. Die ersten Tage nach unserer Ankunft am Mittwoch, den 07.08., in Dar es Salaam haben wir nach der laaaangen Busfahrt erstmal in Bukoba verbracht. Eigentlich meinten alle, dass wir die ganzen 30h gespannt im Bus sitzen und aus dem Fenster schauen, stattdessen haben wir wohl geschätzte 25h geschlafen und nicht so wahnsinnig viel von der Fahrt mitbekommen. J Viele haben sogar die Polizeieskorte + bewaffneten Polizist bei uns im Bus, das panische Umfahren der Straßensperre und die angespannte Stimmung unter dem Fahrgästen verschlafen. Dies hat den Hintergrund, dass an dieser Stelle in letzter Zeit viele Raubüberfälle stattgefunden haben. Aber ist ja alles gut gegangen.

Zusammen mit Baraka ( = Segen) bei Basti daheim
Zusammen mit Baraka ( = Segen) bei Basti daheim

Basti, ehemaliger Freiwilliger von Artefact, der aber inzwischen schon drei Jahre in Tansania lebt, hat für uns Freiwillige ein Art Einführungsseminar vorbereitet. Neben ersten wichtigen Floskeln und der ausführlichen Begrüßung auf Suaheli, gab er uns auch zahlreiche Ratschläge, Tipps und viele Einblicke in die tansanische Kultur. Das war wirklich wahnsinnig wichtig, unabhängig davon, dass es so oder so essentiell ist, sich ausführlich mit einer anderen Kultur auseinanderzusetzen, um sie verstehen zu können, gab es uns zum einen Halt und wir fühlten uns einfach sicherer, weil wir auf viele Dinge dann schon ein wenig vorbereitet waren. Zum anderen wurden wir
vorgewarnt, welches Verhalten von unserer Seite aus, welche Signale auslösen
würde und warum. Denn Tansanier werden uns nicht sagen, wenn wir etwas falsch
machen. Überhaupt wird mit allem Negativen und Unangenehmen etwas anders
umgegangen als bei uns. So können wir also nun schwierigen Situationen aus dem
Weg gehen, welche wir vermutlich gar nicht als solche erkannt hätten.

Ich bin gut in Tansania und am Montag auch endlich im District Missenyi angekommen. Wie ihr euch denken könnt, war ich einfach total überwältigt, euphorisch und auch nervös. Doch leider lief von da an nicht alles so wie es hätte laufen sollen... Die ersten paar Tage lag ich erstmal flach - mit allen unangenehmen Symptomen, die einem so einfallen und war deswegen zusammen mit dem Vice Head Master im Bunazi Health Centre (bei dem Fußweg von 5min musste ich 3x eine Pause einlegen, weil es mir so schlecht ging) - Gott sei‘ Dank aber kein Malaria!

Blick von Bastis Terasse
Blick von Bastis Terasse

Dass das Golfhaus für uns nicht mehr in Frage kommt, wurde uns anfangs auch nicht gesagt, stattdessen erzählte man uns jeden Tag etwas anderes, um uns irgendwie hinzuhalten. Allerdings darf man das den Tansaniern wohl nicht übel nehmen, da schlechte Nachrichten ganz einfach möglichst keine Erwähnung finden. So bekam ich auf jede SMS in Sekundenschnelle eine Antwort, außer es bezog sich auf die Problematik unserer Unterkunft oder anderes, was irgendwelche Unannehmlichkeiten beinhalten könnte, diese wurden ganz einfach dezent ignoriert. J

 

Wir kamen am Montag in Bunazi, Missenyi an und mussten uns erst mal bei mehreren wichtigen Personen vorstellen, angefangen beim District Education Officer und dem District Education Director, dem „Bürgermeister“, dem Head- und dem Vice Head Teacher, den ganzen Lehrern und dem Schulkomitee.

Auch die Kinder freuten sich über unser Kommen, belagern täglich "unser Haus" und wollen alle mal Haut und Haare antatschen. Die zwei kleinen vor mir sind übrigens Maryin und Mike - Kinder der Familien, wo wir untergebracht waren.
Auch die Kinder freuten sich über unser Kommen, belagern täglich "unser Haus" und wollen alle mal Haut und Haare antatschen. Die zwei kleinen vor mir sind übrigens Maryin und Mike - Kinder der Familien, wo wir untergebracht waren.
Noch gesund und nichtsahnend im Hotel.
Noch gesund und nichtsahnend im Hotel.

Anfangs hieß es, dass unser Haus noch geputzt werden müsse und wir erstmal eine Nacht im Hotel übernachten sollten. Alles gut, nur leider ging das von da an jeden Tag so. Das Haus war noch mit irgendeinem „stuff occupied“, der Head Master sollte das noch absegnen, dann gibt’s da doch Probleme mit dem Haus, sie suchen ein Neues, dann muss dieses wieder mal noch für uns vorbereitet oder vom Schulkomitee begutachtet werden usw. Nach zwei Nächten im Hotel wurden wir dann jeweils beim Vice und dessen Nachbarin, auch einer Lehrerin an der Kassambya Primary School, untergebracht (mal ein Leben ohne fließend Wasser, wirkliches Klo oder Küche,...). So ging das dann einige Tage. Letzten Freitag hieß es dann wir könnten am Samstag in unser Haus umziehen, allerdings wollten wir da nach Bukoba fahren, um die anderen Freiwilligen zu besuchen, wovon der Vice auch wusste. Am Montagmorgen, als wir zurückkamen, hieß es dann wir sollen uns unser (Alternativ-)Haus mal ansehen und sagen, ob es uns gefällt. Voller Vorfreude gingen wir gleich rüber, allerdings standen wir dann vor einem Haus, das bestimmt schon mindestens 10 Jahre leer steht und mehr nach Bruchbude aussieht,… Außerdem hätten wir hier auch nach Renovierung, weder fließend Wasser, Dusche, Klo oder eine Kochstelle.
Dennoch vereinbarten wir dann, statt mit den Kindern zu arbeiten, erstmal unsere
Unterkunft zu renovieren.

Zusammen mit dem Sohn einer Kellnerin Aiva.
Zusammen mit dem Sohn einer Kellnerin Aiva.

 

 

Während all‘ dem versuchte ich auch Ingo, unseren Ansprechpartner, Mentor, Chef und Organisator vom ASC, auf dem Laufenden zu halten. Das hat vor allem mir seehr geholfen, da ich mich - im Gegensatz zu Konstantin, der immer die Ruhe selbst ist – ein wenig überfordert gefühlt habe und ich mich noch nicht daran gewöhnt hab, dass man nicht alles für bare Münze nehmen kann, was einem gesagt wird. Ingo hat es dann geschafft, dass ich wieder vollkommen zuversichtlich und entspannt an die Sache rangegangen bin! Am Montag hat dann Gonza (Gonzaga Stephen), unser Mentor vor Ort, noch die anderen Freiwilligen dazu animiert uns beim Renovieren zu helfen. Allerdings änderte sich unser Plan im Laufe des Abends, als wir nochmal alles durchgesprochen und vor allem den schriftlichen Vertrag bzgl. unserer Unterkunft von Ingo geschickt bekommen haben.

So kam es also, dass Konstantin und ich, gemeinsam mit Gonza und Luca nach Missenyi, Bunazi gefahren sind, um uns mit dem District Education Officer zu treffen. Diese wirkte sehr verständnisvoll und versprach uns sie würde das mit dem District Education Director klären, welche aber gerade noch in einem Meeting steckte. Sie würde sich dann telefonisch bei uns melden sobald es etwas Neues gäbe. Gonza wollte dann eigentlich gleich wieder zurückdüsen, aber Kons und ich brauchten noch ein paar von unseren Sachen und sind deshalb nochmal Richtung Kassambya gefahren. Dort trafen wir dann auf den Vice Head Master, welcher uns gleich zu einem weiteren Meeting mit dem Schulkomitee mitnehmen wollte. Dort wurde uns dann mitgeteilt, dass uns das Haus, welches sie eigentlich renovieren wollten nicht mehr zur Verfügung steht, da daraus ein weiteres Gebäude der Schule werden soll. In dem Moment musste ich soo lachen, weil das Ganze aus meiner europäisch geprägten Sicht schon fast ironisch war. Na gut, dass wir nicht mit der ganzen Truppe zum rennovieren angekommen sind. Aber sie zeigten uns prompt ein weiteres Haus, bei dem man mit der Renovierung zumindest nicht ganz von Null anfangen müsste. Nach längerer Diskussion einigten wir uns dann darauf, dass das Haus renoviert wird und wir in der Zeit, wo das gröbste gemacht werden muss, in Bukoba (bei Jambo Bukoba und bei Philipp) wohnen. Nach einer Woche will sich der Vice bei mir melden und Bescheid sagen, ob das Haus dann zumindest in so einem Zustand ist, dass wir einziehen können. Bei allem weiteren können wir natürlich mithelfen. Aber ich hoffe einfach, dass wir bald anfangen können mit den Kindern zu arbeiten. Schließlich sind fast 10kg von meinem 30kg Gepäck nur für die Kinder gedacht! J

 

Yo, wir schaffen das!
Yo, wir schaffen das!

 

 

 

Ich denke wir müssen jetzt einfach abwarten. Ein Gutes hat das alles ja, denn auf diese Weise haben wir schon wahnsinnig viel von der tansanischen Kultur und ihrem Alltag mitbekommen, gerade weil wir ins kalte Wasser geworfen wurden haben wir vermutlich am meisten dabei gelernt. Außerdem wurde ich ja von zwei Seiten unterstützt, zum einen durch Kons, der Ruhepol von uns beiden, zum anderen durch Ingo, der mir wieder die nötige Gelassenheit gab. Inzwischen bin ich soweit, dass ich einfach gar keine Erwartungen mehr habe und wirklich mit allem (!) rechne. Mal sehen wie es weitergeht.

Zum Glück verstehe ich mich mit Konstantin so gut, wir sind praktisch immer gleicher Meinung, denken über das alles ganz genauso und ergänzen uns in vielerlei Hinsicht. Da bin ich echt sehr froh drum!!

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Kommentare: 4
  • #1

    Sabine Fries (Donnerstag, 22 August 2013 20:20)

    Schön, dass du uns teilhaben lässt an der tansaischen "Gemütlichkeit".
    Dir weiterhin viel Gelassenheit und Freude.
    Liebe Grüße, Sabine :)

  • #2

    sylvia (Donnerstag, 22 August 2013 21:12)

    hi schnucki<3schön dass du schreibst, wir haben uns schon sorgen gemacht, weil wir nichts gehört haben,,schön dass es dir soweit ganz gut geht, halt die ohren steif;0) du schaffst das bussssiiiii lg sylvia

  • #3

    Pfaller Eva (Freitag, 23 August 2013 08:29)

    schön daß es Dir gut geht haben schon lange darauf gewartet von Dir zu hören. Alles Gute weiterhin
    Eva und Rudi

  • #4

    Scholz-Skarda Barbara (Samstag, 05 Oktober 2013 23:43)

    Hallo Sophia, leider lese ich Deinen Blog erst heute und bestimmt hast Du schon wieder viel erlebt. Lass Dich nicht unterkriegen. Wir wünschen Dir alles Gute, viel Erfolg und Spaß und natürlich viel Gelassenheit.
    Liebe Grüße Barbara