Wie es weiter ging...

Auch ich hab nun die Richtung gewechselt,...
Auch ich hab nun die Richtung gewechselt,...

Now it changed "a weng"

 

Hey meine Lieben,

 

endlich hört ihr mal wieder was von mir und es ist wieder so einiges passiert...

 

Bis Ende August haben wir nach wie vor in Bukoba gewohnt, entweder bei Jambo Bukoba oder aber bei Philipp (einem artefact-Freiwilligen), der uns netterweise Unterschlupf gewährte.

5:30 Uhr - Bukoba, Sicht auf den Victoriasee
5:30 Uhr - Bukoba, Sicht auf den Victoriasee

Doch für mich konnte das nicht so weitergehen, das wurde mir alles zu viel - immer wieder abwarten, immer wieder vertröstet werden, immer wieder Enttäuschung erfahren, weil die von Kassambya selbst gesetzten Fristen, wann das Haus fertig zum Einzug sein sollte, einfach so verstrichen...

Die kleine Sophia wurde dabei immer mehr zur Hausfee. - Für die Jungs war das vermutlich ganz bequem (einmal war ich tatsächlich so blöd ihnen auch noch die Wäsche zu waschen - und klar: mit Waschmaschine ist hier nicht). Aber irgendwann fiel mir dann die Decke auf den Kopf - und das mit voller Wucht...

Das war nicht das, was ich mir erhofft hatte. Ich bin hier um zu arbeiten, ich habe mir soo viele schöne Dinge ausgemalt, habe nach wie vor etliche Pläne und Visionen (ganz unabhängig davon, was davon ich tatsächlich so umsetzen kann)...

Hätten Kons und ich das kommen sehen, hätten wir vllt. anders auf das Ganze reagieren können, die Zeit sinnvoller verbringen können. Aber Kons war und ist sowieso immer um einiges entspannter als ich.

Fischer am Victoriasee
Fischer am Victoriasee
Wanderung zum Wasserfall bei Kamachumu
Wanderung zum Wasserfall bei Kamachumu

Ich musste da jetzt raus , ich bin in Afrika - im wunderschönen Tansania - das will ich auch spüren können, ich will die Landschaft bestaunen, die Menschen und deren Kultur kennen- und verstehen lernen.

Um den Kopf freizubekommen unternahm ich zwei Wanderungen, wo ich Land (!) und das Leben der Leute zu sehen bekam. So gut das tat, half es aber leider auch nur kurzfristig.

Immer wieder fuhren wir auch nach Kassambya, um nach dem Haus, das für uns rennoviert werden sollte zu sehen, den Beteiligten Druck zu machen und sie immer wieder zu animieren. Doch jeder Besuch war immer wieder ernüchternd,... es ging nichts voran und ich glaubte schon lang nicht mehr daran, dass das noch was werden sollte...

Sicht zum Kilimanjaro von Boma
Sicht zum Kilimanjaro von Boma

Da ich einen Bekannten aus meinem Ort habe (ALFRED MÜHLBAUER), der in Boma und Moshi-Kibosho (Kilimanjaro Region) schon so einiges geleistet hat und daher nur großgeschrieben werden kann!!, konnte ich mir nun aber doch weiterhelfen.

Bevor es für mich nach Tansania ging, traf ich mich ein paar Mal mit Alfred, der gab mir unter Anderem die Nummer von einem Freund dort (aber auch tausend verschiedene Tipps, Ratschläge und weitere Einblicke in die tansanische Kultur). Sollte es bei mir zu Problemen kommen oder ich aber einfach mal in die Gegend käme, könnte ich Tom (Mahoo) problemlos kontaktieren.

Und genau das hab ich dann einfach mal gemacht. Tom machte einen wahnsinnig netten Eindruck, freute sich schon total mich kennenzulernen und mich ein wenig herumzuführen. So startete ich gleich am nächsten Morgen (31. August) und fuhr 18h lang mit dem Bus nach Arusha, übernachtete dort und fuhr am nächsten Tag weiter nach Boma. Am Standy (Bushaltestelle) wurde ich dann von Tom abgeholt, wo wir uns aber erst nach ein paar zögernden Blickwechseln erkannten , da wir uns beide gegenseitig älter eingeschätzt hätten (Tom ist erst 31).

Sonnenuntergang in Sanya Station, bei Boma
Sonnenuntergang in Sanya Station, bei Boma
Ein Sprung ins Paradies...
Ein Sprung ins Paradies...

 

Diese eine Woche, die ich in Boma, Moshi und Kibosho erlebt habe, war soo intensiv, so informativ und aufregend, das ich mein Herz dort fast verloren hätte. Ich war dort 2 Tage in einer Vorschule, im Krankenhaus, im Kindergarten, der Primary und Secondary School, hab wahnsinnig viele Leute kennengelernt (und auf diese Weise ganz viel über die tansanische Kultur erfahren), Tom hat mir gezeigt, was hier alles durch die Hilfe von Leuten aus unserem Goldenen Markt Geisenhausenermöglicht wurde. Allen voraus eben Alfred (aber auch nicht zu vergessen der Familie Zeiler und Barbara Wohanka). Er hat hier etliche Stromleitungen gebaut, vielen Häusern einen Zugang zu fließend Wasser ermöglicht, dabei geholfen eine weitere Schule, einen Kindergarten und eine Kirche zu bauen,... das alles hat mir Tom auch gezeigt. Ich hab wahnsinnig nette und engagierte Leute von AKO kennengelernt, Tom hat mich seinen Eltern und seiner Familie vorgestellt, wir waren bei Lehrern und bei einem Pater zu Besuch,... Wir waren in einem Massai-Dorf (auch dort hat Alfred für einen nahen Wasserzugang gesorgt), dort wurde ich dann sofort dementsprechend gekleidet und bekam das Massai-Outfit sogar geschenkt. Außerdem lernten wir noch einen Engländer und einen Amerikaner kennen, welche dort ein Projekt betrieben, bei dem sie den Tansaniern effektivere Anbaumöglichkeiten beibringen wollen.

Und last but not least waren wir noch im Paradies - in einer Oase im sonst so trockenen Boma - eine von Palmen umringte, klare und warme Wasserstelle - einfach atemberaubend schön. So kann man sich vorstellen von da wollte ich eigentlich gar nicht wieder weg,...

Philipp, ich, Luca und Kons.
Philipp, ich, Luca und Kons.

Doch dann erfuhr ich, dass unser Crash-Sprachkurs nun schon am Montag, dem 09. September beginnen sollte, sodass ich also wieder zurückfahren musste. Aber zumindest hatte ich jetzt so einige Projekte in Aussicht gestellt, welche eine Alternative zu Kassambya darstellen würden. Noch dazu wäre es Kons und mir sogar möglich dort kostenlos unterzukommen.

Der Sprachkurs, der wie schon das Einführungsseminar von Basti geleitet wurde, war recht gut. Nun hatten wir auch den entsprechenden Überblick über die ganze Grammatik kompakt zusammengefasst, was wir daraus machen und wie intensiv wir versuchen wollen Kiswahili zu lernen, bleibt natürlich dann jedem selbst überlassen.

Auch wenn es natürlich schön war, wieder Zeit mit den anderen Freiwilligen zu verbringen, (wir waren gemeinsam auf einer Hochzeit eingeladen und haben Cheryl (Freiwillige aus London) bei einem Projekt geholfen ) zog es mich wieder zurück nach Boma, Kibosho...

Im Kindergarten in Kibosho
Im Kindergarten in Kibosho

Erneut in Kassambya besprach ich mit dem Vice Head Master, dass das wichtigste für mich nun eigentlich eine verlässliche Aussage ist, wann wir TATSÄCHLICH in das Haus einziehen können. Sollte das Haus kurzfristig fertiggestellt sein (woran eigentlich keiner wirklich glaubte) würde ich natürlich doch dableiben und das abwarten. Sollte das 1, 2 Monate in Anspruch nehmen würde ich erst in Boma oder Kibosho arbeiten und dann wieder nach Bukoba bzw. Kassambya zurückkehren. Sollte das aber vllt. 4 Monate oder länger dauern, dann hab ich kein wirkliches Interesse mehr an Kassambya. Denn wenn ich dann so lange Zeit in einem anderen Projekt tätig bin will ich das auch nicht einfach wieder fallen lassen und ganz von vorne beginnen müssen. Trotz dieser Ansage, meinte der Vice, dass das Haus ganz sicher am Sonntag fertig sein werde und es daher für mich keinen Grund gäbe weiterweg zu fahren. In Absprache mit Gonza und Ingo ließ ich mir aber das Okay geben dennoch zu gehen.

Am Freitag (20. September) wieder in Boma bei Tom angekommen, half ich erst ein wenig in Kibosho bei verschiedenen Aufgaben im Kindergarten, der Primary School oder im Krankenhaus mit.

Sophia als Massai im Massai-Dorf
Sophia als Massai im Massai-Dorf

Einziges Problem war nun - ich musste eine Entscheidung treffen  (schon allein wegen den Visaunterlagen),... - bleib ich mein Jahr hier oder geh ich zurück nach Bukoba?

Kassambya stand allerdings nicht mehr zur Debatte - es hatte sich herausgestellt, dass die Schule selbst zwar nicht so viel dafür konnte, aber die DEO (District Education Officer) das Geld, was für die Renovierung gedacht war einfach selbst eingesteckt hat, sodass Kassambya schlicht die finanziellen Mittel fehlten um das Haus fertigzustellen. Und da man hier in Tansania keine hierarchisch höher stehenden Personen anprangert, sagte uns niemand was davon. Ich müsste dort also nach einer anderen Schule suchen, was aber nicht das große Ding wäre, da nimmt einen jeder mit Handkuss.

Ich ging nochmal alle verschiedenen Möglichkeiten durch, war ständig hin und hergerissen, wusste nicht was ich wollte, was für mich das Richtige wäre. Denn in Bukoba hatte ich die anderen Freiwilligen, jemanden zum reden, jemanden der einen verstehen und in den Arm nehmen kann wenn man mal traurig ist oder Heimweh hat,... hier hatte ich Kultur pur, ein tolles Projekt und zuverlässige Leute, die dahinter stehen.

Nach langem Prozedere entschloss ich mich dann dazu hierzubleiben, Junior zu heiraten und vielleicht sogar ganz sässig zu werden - das auf dem Bild ist unser Haus.

Nein ok, nicht ganz. Aber ja, ich bleib hier und arbeite nun mein ganzes Jahr im Kindergarten in Sanya Station der Familie Zeiler.

Das kann doch nun wirklich kein Zufall sein, dass ich selbst hier in Tansania wieder in die "Heimat" finde!

Alle Wege führen zum Goldenen Markt!! <3

Seit dem 30. September bin ich nun dort und konnte schon am Donnerstag drauf in das Teacher-House einziehen, wo ich seitdem gemeinsam mit den anderen beiden Lehrern und Samson wohne. Die Arbeit dort ist richtig toll, die anderen Lehrer nett, die Schüler zum Abknutschen,...

1000 verschiedene Spiele (u.A. "Safari ya Geisenhausen" J), neue Bälle, Seile, Luftballons und CO - die Kinder sind überglücklich und sogar der Englisch-Unterricht macht jetzt doppelt so viel Spaß! Einzig die Hitze dort macht mir ein wenig zu schaffen. Aber gut, man gewöhnt sich an alles ;) Ich wohne dort praktisch neben oder eigentlich in der Massai-Steppe, weshalb auch die Hälfte der 100 Kinder (kann inzwischen schon mindestens die Hälfte der Namen ;-)), Massais sind.

Ich werd mich nun hier ein wenig einrichten, den Kindern viele Farben und Bastelzeugs kaufen und mit ihnen eine Choreografie zum Wakawaka-Song einstudieren,... - achja die Schuluniform ist übrigens weiß-blau - sehr weise von Frau Zeiler ausgewählt :)

Mit Lorence beim Rutschen :-)
Mit Lorence beim Rutschen :-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara Scholz-Skarda (Dienstag, 29 Oktober 2013 12:51)

    Liebe Sophia,
    wir wünschen Dir viel Erfolg in Deinem neuen Projekt und Deiner neuen "Pseudoheimat". Es freut mich, dass Du nun endlich das tun kannst, was Du anfangs vorhattest, wenn auch nicht mit der von Dir ausgewählten Organisation. Es spricht eigentlich nicht für "weltwärts", wenn so engagierte junge Leute in einem fremden Land so enttäuscht werden.
    Schön, dass Du durch unseren Geisenhausener Kontakt Alfred Mühlbauer, Familie Zeiler und Barbara Wohanka jetzt Deine Wünsche realisieren kannst.
    Ich freue mich schon auf weitere "news" von Dir und alles Gute
    Barbara Scholz-Skarda